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Der
Ort, an dem sich heute das Podewil befindet, war im Laufe seiner
Geschichte starken Veränderungen unterworfen. Die
Klostertraße ist eine der ältesten Straßen Berlins.
Man weiß zumindest von zwei Vorgängergebäuden, die noch
vor dem Barockbau, wie er gegenwärtig an dieser Stelle steht,
existierten.
Ein um 1300 erbautes Lehmfachwerkhaus wurde durch einen Brand
vernichtet. Um 1550 errichtete man auf Teilen der Kellerräume ein
massives, zweigeschossiges Wohnhaus. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts
erstreckte sich das dazugehörige Grundstück bis zur
Stadtmauer, deren Reste bis heute hinter dem Podewil (zwischen Litten-
und Waisenstraße) zu besichtigen sind.
Nach Abriß des Wohnhauses ließ der Hofrat Caspar Rademacher
in den Jahren 1701 bis 1704 vom Barockarchitekten Jean de Bodt ein
Palais erbauen. Erhebliche Teile des Vorgängerbaues, u.a. die
mittelalterlichen Kellergewölbe, auf denen das Podewil bis heute
steht, wurden einbezogen. Die Geschichte des Palais war von
kontinuierlichem Besitzerwechsel bestimmt: Nach dem Tode Rademachers
erwarb es 1732 der "Wirkliche Geheime Kriegs-, Etats- und
Kabinett-Minister" Graf Heinrich von Podewils (1695-1760) für
12.000 Taler. Der preußische Staatsminister war Leiter der
auswärtigen Angelegenheiten und Minister im Kabinett Friedrichs
II. Der Namensgeber (später wird das Gebäude Podewilssches
Palais genannt) vererbte es 1749 seinen beiden Töchtern. Weitere
12 Jahre blieb das Barockpalais im Besitz der Familie, bis es verkauft
und 1763 schließlich samt der wertvollen
Einrichtungsgegenstände öffentlich versteigert wurde. Bevor
der Kaufmann Löwenherz es im Jahre 1856 für 80.000 Taler
erwarb, gehörte das Palais 50 Jahre der Familie Brendel (Vater
Brendel war Juwelier, der Sohn Kaufmann).
Die Zeit der privaten Nutzung ging zu Ende: Im Jahre 1874 erwarb der
Magistrat von Berlin das Anwesen für 215.000 Taler, und am 17.
Januar 1876 öffnete hier das Märkische Provinzialmuseum seine
Tore für Besucher. Die Stadt investierte in den Umbau, der
Seitenflügel wurde erweitert, vieles modernisiert. 1880
mußte das Museum jedoch ausziehen, weil der Magistrat die
Zusammenfassung mehrerer Dienststellen im Palais plante (Gaswerke,
Wasser- und Kanalisationswerke sowie die Hauptkasse der
städtischen Werke). Ab 1919 ist das Palais unter
Klosterstraße 68 im Berliner Adreßbuch aufgeführt. Es
verzeichnet die Nutzung des Gebäudes durch verschiedene
öffentliche Einrichtungen, so durch die Städtische Sparkasse,
die Städtischen Wasserwerke, die Stadtreinigung und das
Militärbüro des Magistrats. Das Bezirksamt Mitte zog 1923 mit
einigen Stellen ein, und ab 1939 diente das Haus als Sitz des
Bezirksbürgermeisters. In den letzten Kriegsjahren wurde das
Palais durch Bombenvolltreffer zerstört, es brannte
vollständig aus und sämtliche Decken stürzten ein.
Die ersten Aufbaustunden leisteten Jugendliche 1951, als in Berlin die
III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten stattfanden. Der Magistrat
beschloß daraufhin den Wiederaufbau zu einem "Haus der Jugend"
und plante dort auch die Unterbringung des Landesvorstandes der Freien
Deutschen Jugend (Land Brandenburg). Das Erdgeschoß erhielt eine
großräumige Halle, darüber wurde ein zweigeschossiger
Saal angeordnet. Auf den Wiederaufbau des weitgehend zerstörten
inneren Seitenflügels wurde verzichtet. Anläßlich des
8. Geburtstages der FDJ am 7. März 1954 übergab der
Oberbürgermeister Ost-Berlins, Friedrich Ebert, das "Zentrale
Klubhaus der Jugend" an die "Freie Deutsche Jugend der Hauptstadt
Deutschlands" mit dem Wunsch zur "Nutzung für den Frieden".
1959 wurde das Zentrale Klubhaus mit dem Kultur- und Sportclub an der
Stalinallee zum "Zentralen Klub der Jugend und Sportler Berlin" vereint
und hieß seitdem "Haus der jungen Talente". Ein Brand vernichtete
nach einer Veranstaltung am 20. Februar 1966 den Saal und die
darüberliegende Holzdachkonstruktion. Die Wiedereröffnung am
2. Oktober 1970 war der Auftakt für zwei weitere Jahrzehnte
erfolgreicher Kulturarbeit. Besondere Bekanntheit erlangte das HdjT als
Organisations- und Veranstaltungsort des „Festivals des
politischen Liedes“ und als wichtige Heimstätte des DDR-Jazz.
Auf Beschluß der Berliner Landesregierung wurde es zwei Jahre
nach der deutschen Wiedervereinigung geschlossen. Im Oktober 1991 bezog
die gerade gegründete landeseigene "Berliner
Kulturveranstaltungs-GmbH" das Gebäude. Die Gesellschaft wurde als
Einrichtung für die Organisation und Koordination von
Kulturaustauschprojekten der Stadt Berlin mit Partnern im Ausland
gegründet. Zudem ist sie Betreiber der Spielstätten Podewil,
Theater am Halleschen Ufer und DIE SCHAUBUDE. Puppentheater Berlin. Das
Podewil begann am 1. Juli 1992 unter neuem alten Namen als
internationales Kulturzentrum im Podewilsschen Palais zu arbeiten.
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Schon
das Zentrale Klubhaus der Berliner Jugend hatte mit seinen
Interessengemeinschaften, Zirkeln und Veranstaltungen viele
Möglichkeiten zur Freizeitbeschäftigung in den Bereichen
Kunst, Naturwissenschaft und Technik, Handwerk sowie Politik und
Gesellschaft geboten. Nach dem Brand und der Wiedereröffnung im
Jahre 1970 existierten bald wieder 50 Arbeitsgemeinschaften der
darstellenden und angewandten Kunst, darunter Kabarett,
Gesellschaftstanz, Malen und Zeichnen, Artistik, Fotografie, Pantomime
und Theater. Geleitet wurden sie vorwiegend von Künstlern,
Pädagogen und Wissenschaftlern, die im Haus nicht fest angestellt
waren.
Veranstaltungen wie die Musik für Fans, Hausfeste und
Samstagsfeten, Volkstanz, Podien für Liedermacher, Sommerjazz und
Jazztage sowie Aktionen im Hof waren außerordentlich beliebt und
zählten zu den wichtigsten Kulturangeboten in der Stadt. Besondere
Bekanntheit erlangte das HdjT als Organisations- und Veranstaltungsort
für das seit 1971 jährlich in Ostberlin stattfindende
"Festival des politischen Liedes" und als herausragende Adresse
für den DDR-Jazz.
Eine lange Tradition hatten die Klubs im Haus. Zu ihnen gehörten
der 1965 gegründete Klub Junger Philosophen, der Filmklub (seit
1968), der ISKRA-Klub, eine Gemeinschaft politisch interessierter
Jugendlicher (seit 1969), der Theaterklub (seit 1973), der Musikklub
(seit 1981) und schließlich der 1986 zuletzt gegründete
Computerklub.
Die vielen unterschiedlichen Zirkel waren als Werkstätten bzw.
Ateliers der bildenden und angewandten Kunst konzipiert, dazu
zählten Fotografie, Graphik, Keramik und Kunsthandwerk, Malen und
Zeichnen, Plastik, Modewerkstatt und Textilgestaltung. Auf
Beschluß einer Kulturkonferenz der Freien Deutschen Jugend (FDJ)
wurde im März 1976 eine "Galerie junge Künstler" im Foyer des
HdjT eröffnet.
In den Bereichen darstellende Kunst und Unterhaltung wurde 1958 als
erstes der "Tanzkreis Berlin" ins Leben gerufen. Später folgten
das "Kleine Theater" (1968), die Artistengruppen und das "Theater
für kleine Leute", SADAKO, ein Kinder- und Jugendensemble für
Musik und Bewegung (1964) und das "Pantomimenstudio Berlin". 1970
gründete das wohl bekannteste Kabarett der DDR "Die Distel" im
HdjT das Kabarett "Die Reizzwecken" als Nachwuchsstudio. Der
Pionierchor "Omnibus" entstand 1975 und hatte bis Herbst 1999 als
gemischter Kinder- und Jugendchor im Podewil sein Domizil.
Auf Beschluß der Berliner Landesregierung wurde das HdjT am 14.
Juni 1991 geschlossen.
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Today‘s
location of the Podewil has undergone many changes through time. The
Klosterstraße is one of the oldest streets of Berlin. The first
half-timbered house was built around 1300 and was destroyed in a fire.
Around 1550, a massive, two-storey house was built upon parts of the
cellar. Towards the end of the 17th century, the adjoining site
stretched towards the city walls - the relicts can still be seen behind
the Podewil (between Littenstraße and Waisenstraße).
After the demolition of the house, court counsellor Caspar Rademacher
commissioned the baroque architect Jean de Bodt to build a palace. The
predecessor building’s medieval vaulted cellar was incorporated
into the new structure. The history of the palais was determined by
changing owners: after Rademacher’s death in 1732, count Heinrich
von Podewils (1695-1760) bought the building for 12.000 Taler. The
Prussian state minister was a member of the cabinet of Friedrich II and
in charge of foreign affairs. Count von Podewils left the baroque
building (which was later named “Podewils´sches
Palais”) to his two daughters. The palais remained within the
family for another 12 years until it was auctioned and sold with all
its precious pieces of furniture in 1763. For 50 years, the building
had belonged to the Brendel family until it was sold to the merchant
Löwenherz for 80.000 Taler in 1856.
In 1874 the property was bought by the magistrate of Berlin. In 1919,
the house first appeared in the local address book and was utilized by
various public institutions in the following period, (the
Märkisches Provinizialmuseum, the Städtische Sparkasse and
the waterworks, the city sanitation department and the magistrates
military office). From 1939 onwards, the building was the seat of the
district mayor. In 1944/45 it was destroyed by bombs. Starting in 1951,
the building was reconstructed by the youth during the „3.
Weltfestspiele der Jugend.“ In 1954, the magistrate decided to
have the building reconstructed as a „House of the Youth“
(Haus der Jugend) and presented the „Zentrales Klubhaus der
Jugend“ (Central Youth Club Headquarters) to the socialist youth
organization „Freie Deutsche Jugend“ (FDJ). The ground
floor was rebuilt with a spacious foyer and the second floor was
equipped with a two-storey auditorium.
From 1959 onwards, the house was called „Haus der jungen Talente
(HdjT)“ (House of young talents). In 1966, a fire broke out after
an event and burnt down the auditorium and a considerable part of the
wooden roof construction. On October 2 1970, the house could re-open
and led into another two decades of successful cultural work. The HdjT
became well-known in the 70s as the location where the „Festival
des politischen Liedes“ (Festival of the Political Song) took
place and as an important venue for East German jazz.
In 1991, two years after the German reunification, the HdjT was closed
by the state government of Berlin. In October 1991, the then
newly-founded "Berliner Kulturveranstaltungs-GmbH" moved into the
building. The society functioned as a coordination point for cultural
exchange programs between the city of Berlin and partners abroad. It
also performs legal and managerial functions for the Theater am
Halleschen Ufer, DIE SCHAUBUDE. puppet theater Berlin, TanzWerkstatt
Berlin, the transmediale, the Initiative Neue Musik Berlin e.V. and the
artclub Berlin. On July 1, 1992, the Podewil opened under the new
“old” name as an international center for contemporary arts.
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In
1970, soon after the re-opening of the house after the fire, over 50
workshops of performing and applied arts, cabaret, social dance,
painting and drawing, photography, miming and theater established
themselves in the house. The „Gallery of Young Artists“
opened in 1976. Events like Music for Fans, house parties, folk dance,
Summer Jazz and Jazz Days were extremely well visited and belonged to
the most important cultural events of the town. The „Festival des
politischen Liedes“ (Festival of the Political Song) figured as
an annual highlight since 1971. The HdjT was also one of the first
addresses for East German jazz.
The house has a long tradition of „Klub“ programs. 1965 the
„Klub der jungen Philosophen“ (Club of Young Philosophers)
was founded, then the „Filmklub“ (1968), the
„ISKRA-Klub“ – a society for politically interested
young people (1969), the „Theater Klub“ (1973), the
„Musik Klub“ (1981) and, finally, the „Computer
Klub“ (1986).
The „Tanzkreis Berlin“ (Dance Circle Berlin) started in
1958. Later on, the „Little Theater“ (1968), the
„Theater for the Little People“, SADAKO – the
children and youth ensemble for music and movement (1964) and the
„Miming Studio Berlin“ opened. In 1970, the East German
cabaret „Die Distel“ founded the new-comers‘ cabaret
„Die Reizzwecken“ in the HdjT. The pioneer choir
„Omnibus“ was founded in 1975 and had the Podewil as its
domicile until 1999. The HdjT was closed in 1991 by the state
government of Berlin.
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